Die Geschichte Bad Säckingens
 
 

Mittelalter: Die Stadt & das Reich

Sarkophag Friedrich II.
Sarkophag Kaiser Friedrichs II.
in der Kathedrale von Palermo

1268

Hier ist die Auflösung der Preisfrage der Zeittafel: Was hat das Datum 1268 mit der weiteren Geschichte Deutschlands und auch Säckingens zu tun?

Die Kriege fanden nun "bei uns" statt!

Am 12. Oktober 1268 wurde Konradin, der letzte Staufer und Thronfolger, in Neapel enthauptet, auf Befehl Charles von Anjou, dem Befehlshaber des vom Papst ins Reich gerufenen französischen Heeres.

"Was hat das mit der Säckinger Stadtgeschichte zu tun?", werden Sie fragen.

  

Nichts, wenn man nur Ereignisse aufzählt. Doch betrachten Sie die Zeittafel zwischen 1300 und 1800: Fast jeder zweite Eintrag nennt Brandschatzung, Zerstörung, Belagerung und Kriege.
1268 bildet den Abschluss des erbitterten Ringens zwischen Kaiser und Papst um die Vormacht im Reich. Deutschland selbst war niemals ein zentralistisches "einig Vaterland", sondern immer in Stämme und Interessengruppen zersplittert. Mit Druck und Gaben zog man Parteigänger auf seine Seite; der Kaiser setzte den Papst ab, der Papst exkommunizierte den Kaiser. Zu Anfang entzündete sich der Streit an der Frage, wer das Recht habe, Bischöfe und Geistliche einzusetzen. Der Kaiser festigte seine Macht im Reich mit Hilfe der Kirche und der Reichsstädte gegen die Landesherren. Am Ende der Entwicklung war das Reich ein Flickenteppich aus kaisertreuen und papsttreuen Gegenden.

Interregnum. Nach 1268 wagte für Jahrzehnte kein deutscher Herzog mehr den Griff nach der Krone. Und als später wieder Könige gekrönt wurden und sogar wieder zur Kaiserkrönung nach Rom zogen, war es nicht mehr dasselbe.

J. Fernau: " ... per saldo waren eben zu dieser Zeit König und Deutschland nicht mehr identisch. Das Leben der einzelnen Stände, der Fürsten und der Städte, hatte sich 'selbstständig' gemacht,... Es gab keine große, einende Idee mehr."

1519 war es soweit, dass die europäischen Supermächte Spanien und Frankreich begannen, ihren Kampf um die Vorherrschaft auf deutschem Boden auszutragen, während die Habsburger in Wien Karten spielten und sich um ihre Hausmacht kümmerten. Die deutschen Kurfürsten hatten die Wahl zwischen dem spanischen und dem französischen König, und sie entschieden sich für den spanischen Habsburger Karl, weil er besser zahlte.

Blumen für Friedrich
Italienische Blumen für den toten Kaiser ...

Frankreich wurde damals zum erbittertsten Feind Deutschlands, nicht weil man die Deutschen hasste, sondern weil die politische Lage es erforderte. Hier liegt der Beginn der "Erbfeindschaft" zwischen Frankreich und Deutschland.

Die Angaben auf dieser Seite gehen zum größten Teil auf Joachim Fernaus Darstellung der deutschen Geschichte zurück. (siehe Literatur)

Vorerst entwickelte sich Deutschland prächtig. Handel, Wirtschaft und Künste blühten auf, doch 1618 war Schluss damit. Der Dreißigjährige Krieg begann.
Joachim Fernau: "Wir Deutsche haben zwar geglaubt, der Dreißigjährige Krieg, der nun folgte, sei ein Religionskrieg, aber das war eine lächerliche, kindische Vorstellung. Der Dreißigjährige Krieg wurde künstlich entfesselt. In ihm trugen drei Mächte ihren Kampf um die Vorherrschaft in Europa auf deutschem Boden aus:

Spanien (mit dem Papst), Schweden (mit Skandinavien, Holland und England) und Frankreich. Dreißig Jahre lang, von 1618 bis 1648, wurde nun unter dem Vorwand einer Glaubensstreitigkeit ganz Deutschland grauenhaft verwüstet. Am 24. Oktober 1648 versammelten sich die Alliierten in Münster und Osnabrück und gaben die Antwort: Gesiegt hatten weder deutsche Protestanten noch deutsche Katholiken, sondern Frankreich. Bestraft werden mussten weder Spanien noch Italien noch die römische Kirche, sondern Deutschland."

Westfälischer Frieden. Todesurkunde des Deutschen Reiches

Frankreich "bekam" Land und Stadt von Metz, Toul und Verdun, ferner Breisach am Rhein und sämtliche habsburgischen Besitzungen, praktisch das ganze Elsass, und die "Schutzherrschaft" über die 10 Reichsstädte. Schweden "bekam" ganz Vorpommern mit den Inseln Rügen, Usedom und Wollin, die Stadt Wismar und das gesamte Herzogtum Bremen-Verden mit Ausnahme der Stadt Bremen. Das besiegte Bayern "bekam" die Oberpfalz und die Kurwürde. Die Schweiz und Holland wurden offiziell vom Reich geschieden und zu selbstständigen Staaten erklärt. Alle deutschen "Reichsstände" wurden zu Kleinstaaten mit voller Staatshoheit gemacht.

Verstehen Sie nun, warum mir beim Datum 1268 so schlecht wird? Verstehen Sie, dass es dem alten Reich gut ging, weil es stark war und von einem mächtigen König geeinigt wurde?

 

© 2010: Marco Schwarz | Impressum

Ihre neue Homepage: Professionell - ästhetisch - preiswert. Machen Sie einen Versuch: www.mso-webdesign.de