Im 11. bis 13. Jahrhundert geriet das Säckinger Stift immer stärker in die Auseinandersetzungen im Reich. Der Konflikt gipfelte in titanischen Streit zwischen Kaiser und Papst um die weltliche Vorherrschaft des Reiches. Im Investiturstreit bestritt der Papst des Kaisers Recht, Bischöfe und Äbte zu ernennen, und nutzte die widerstrebenden Interessen der deutschen Territorialherren gegen den Kaiser. Am Hochrhein herrschte im 11. Jahrhundert der Bischof von Basel, das Stift Säckingen von Albbruck bis Schwörstadt und dazwischen die Grafschaft Rheinfelden, die auf der Seite des Papstes stand.
1056 wurde Rudolph von Rheinfelden Herzog von Schwaben, und die Gegner des Kaisers (Heinrich IV.) wählten ihn zum Gegenkönig.

Plan der mittelalterlichen Inselstadt. Der Stiftsbezirk ist hellgrau eingefärbt.
(Skizze: Stadtarchiv Bad Säckingen)
Nach Beilegung des Streits um die Laieninvestitur im Wormser Konkordat 1122, die natürlich weniger religiöse als vielmehr eine machtpolitische Frage war, beruhigte sich die Lage, doch die Zerrissenheit zwischen den Parteien spaltete und schwächte das Reich nachhaltig.
Die große Zeit des Säckinger Stifts ging mit einem bedeutenden Ereignis zu Ende: Im Jahr 1173 besuchte Kaiser Friedrich Barbarossa Säckingen für einen Hoftag. Die Reichsvogtei über das Stift war vakant, und der Kaiser nutzte die Gelegenheit und trennte die Säckinger Vogtei in zwei Hälften. Die Hoheit über das Gebiet um Glarus und Walensee verlieh er zur Sicherung des Italienzugangs seinem Sohn Otto. Das restliche Gebiet erhielt einer seiner treuesten Männer – Graf Rudolf von Habsburg.

Brunnenabdeckung des ehemaligen Stiftsbrunnens

Der "Alte Hof" (links) und der neue Pfarrsaal (rechts)
Das Haus Habsburg dehnte in der Folge seinen Besitz und Einfluss auf dem ganzen Hochrhein aus. Das Stift verlor bald seinen Rang als Reichskloster und kam wie die Städte Säckingen und Laufenburg unter habsburgische Landeshoheit. Die Stellung der Äbtissin blieb formal unangetastet und erhielt zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch eine Aufwertung, als König Albrecht die Äbtissin in den Reichsfürstenstand erhob, doch die überregionale Bedeutung des Stifts schwand.
© 2011: Marco Schwarz