Die Geschichte Bad Säckingens

Die Geschichte Bad Säckingens

St. Fridolin – Missionar und Klostergründer

Im 10. Jahrhundert schrieb der Säckinger Mönch Balther, der später Bischof von Speyer wurde, die legendenhafte Lebensbeschreibung des heiligen Fridolin. Aus dieser Fridolinsvita stammt unser ganzes Wissen über den Säckinger Klostergründer.

Nach Balthers Angaben entstammte Fridolin einem edlen irischen Geschlecht, wurde Priester und verließ seine Heimat, um Missionar zu werden. In Poitiers baute er Kirche und Grabmal des hl. Hilarius wieder auf, die zuvor zerstört worden waren, und wurde vom Bischof zum Abt ernannt. Fridolin zog in den alemannischen Raum und gründete mehrere Kirchen und Klöster zu Ehren des hl. Hilarius. Nach einer langen Wanderung durch die heutige Schweiz kam er schließlich auf der Säckinger Rheininsel an, die von der Bevölkerung als Weideland genutzt wurde.

Fridolin und Urso am Münster
Das restaurierte Original
der Fridolinsstatue mit Urso
in einer Nische außen am
Chor des Münsters. Über
dem Portal steht heute
eine Kopie.

Doch die Alemannen wollten "von dem neuen Zeug" nichts wissen und vertrieben den Eindringling. Fridolin wanderte an den fränkischen Königshof und ließ sich die Insel als königliche Schenkung bestätigen. Nun begann er – noch immer gegen den Widerstand der Einheimischen – mit dem Bau von Kloster und Kirche. Fridolin vollendete den Bau der Hilariuskirche und des Doppelklosters für Frauen und Männer. An einem 6. März starb er und wurde in der Kirche beigesetzt.
In der Folgezeit bildete sich ein überregionaler Kult aus, von dem noch heute die rege Teilnahme an der alljährlichen Prozession zum Todestag des Heiligen zeugt.

Die Heiligenlegende zeigt Fridolin (siehe Bilder) beim Roden der Insel; auch die Säckinger Thermalquellen werden hier erstmals erwähnt. Der tote Mann neben Fridolin stellt Urso aus Glarus dar, einen vornehmen Mann, der dem neuen Kloster reiche Besitztümer geschenkt hatte. Als die Schenkung nach Ursos Tod angefochten wurde, erweckte Fridolin den Toten für die Gerichtsverhandlung zum Leben, damit er als Zeuge für ihn aussage.

In der Vergangenheit wurde der Wahrheitsgehalt der Überlieferung unterschiedlich beurteilt. Heute ist man sicher, dass Fridolin als einer der ersten Missionare das Land der Alemannen bereiste, in Säckingen seine Wirkungsstätte fand und hier gestorben ist.

Allerdings bezweifelt man die Herkunft Fridolins aus Irland; seine Lebenszeit scheint eher in 6. als im 7. Jahrhundert gewesen zu sein. Ob das Säckinger Kloster das erste in Alemannien war, ist auch ungewiss, aber mit Sicherheit wurde durch die Klostergründung "eine Stätte
kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung geschaffen, welche im Frühmittelalter zu einem Zentrum geistig-religiöser, kultureller, wirtschaftlicher und reichspolitischer Größe anwuchs".
(Zitat Säckingen, Geschichte der Stadt)

Über die frühe Grabstätte ist nichts bekannt. Im 10. Jahrhundert soll Fridolin unter einer Steinplatte in Chor des Münsters bestattet gewesen sein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Grab immer wieder geöffnet. Man entnahm Reliquien für andere Orte der Heiligenverehrung (St. Gallen, Einsiedeln, Glarus, Wien). Um 1750 gab die Äbtissin des Stifts den heutigen Rokoko-Silberschrein in Auftrag, der die immense Summe von 8000 Gulden kostete.

"Aus [Fridolins] Gründung erwuchs im beginnenden Mittelalter ein bedeutender Faktor machtpolitischen Strebens im Einklang mit der damaligen Reichspolitik, stieg dann zu einem glänzenden Zentrum im Kreis der bedeutenden Klöster des Mittelalters auf, um schließlich nach vielen Jahrhunderten relativer Bedeutungslosigkeit der Zeit der Aufklärung und staatlichen Neuordnung zum Opfer zu fallen."
(Zitat Säckingen, Geschichte der Stadt)

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