Hintergrund

Kriege ohne Ende

Die Entwicklung von 1500 bis 1806

In den Jahrhunderten nach 1500 erlebten Stift und Stadt Säckingen Zeiten reger Entwicklung und Bautätigkeit, immer wieder unterbrochen und zerstört durch Kriegsereignisse. Den Anfang machten die Reformation und die Bauernunruhen am Hochrhein. Während Rheinfelden und Waldshut zum neuen Glauben wechselten, blieben die Klosterstädte Säckingen und Laufenburg, abgesehen von einigen Irritationen, beim alten Glauben. Nach 1550 konnte die neue Äbtissin das Stift reformieren und wirtschaftlich neu ordnen, so dass genug Geld vorhanden war, um mehrere neue Häuser, vor allem das Äbtissinnengebäude, zu errichten. Außerdem wurde das Münster restauriert und erhielt die spitzen Türme, wie sie auf dem Merianstich zu sehen sind. Die Wasserversorgung wurde erneuert, die Besitzungen des Stift ausgeweitet, und zahlreiche rechtliche Vereinbarungen zwischen Stift und Stadt getroffen.

Dieser neuen Blütezeit setzte der Dreißigjährige Krieg ein Ende. Die Auseinandersetzungen dauerten schon fast zwanzig Jahre, als der Krieg den Hochrhein erreichte. 1632 besetzten schwedische Truppen die Waldstädte. Die Äbtissin floh nach Baden/CH ins Exil. Den Schweden folgten die Kaiserlichen, doch alle plünderten die vorhandenen Güter aus. Zu allem kam noch die Pest. Hunderte Säckinger starben. Krieg und Besatzung dauerten in Säckingen bis 1650. Einer Wiederaufbauphase folgt 1678 der Holländische Krieg.

Französische Truppen plünderten die Stadt und brannten einen Großteil nieder. Das Münster brannte vollständig aus. Zehn Jahre später fand man im Pfälzischen Krieg einen erneuten Anlass zum Überfall auf Säckingen. Zum Schutz vor den Franzosen brannte man selbst die Brücke über den linken Rheinarm nieder. Es folgten zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Spanischen Erbfolgekrieg weitere Brandschatzungen, französische Besatzung im Polnischen Erbfolgekrieg und 1741 die Salpetererunruhen auf dem Hotzenwald.

Haus Fischerzunft
Im Haus Fischerzunft in der Fischergasse
finden regelmäßig Ausstellungen zu speziellen
Themen der Stadtgeschichte statt.

1740 wurde das Säckinger Münster im barocken Stil neu erbaut, doch schon 1751 brannte es erneut, diesmal durch eine Unachtsamkeit. In den folgenden Jahren wurden die Schäden durch eine zweite barocke Restaurierung behoben. 1764 traf der kostbare Silberschrein St. Fridolins in Säckingen ein.

Wenige Jahre später setzte der Kampf um das Überleben des Stifts ein und überlagerte alle anderen Bestrebungen wie den geplanten Neubau der Stiftsanlagen. 1780 beschloss "Kaiser" Joseph II. die Aufhebung zahlreicher Klöster. Vorerst konnte das Unheil abgewendet werden, doch schon drangen die Folgen der Französischen Revolution an den Hochrhein. 1796 besetzten französische Truppen im 1. Koalitionskrieg Säckingen. Weitere Besetzungen und Zerstörung folgen bis zum Frieden von Lunéville zwischen Napoleon und Österreich. Dieser Vertrag versetzte dem Säckinger Stift den Todesstoss.

Der Vertrag forderte die Abtretung aller linksrheinischen Gebiete. Damit verlor das Stift seine wichtigsten Einnahmen im Fricktal. Der Hochrhein wurde erstmals zur Staatsgrenze. Nach einem weiteren Koalitionskrieg verlor Österreich im Frieden von Pressburg 1805 seine rechtsrheinischen Gebiete an den mit Napoleon verbündeten Kurfürst von Baden und an den Herzog von Württemberg.

Die Rheinbundakte vom 12. Juni 1806 besiegelte die Aufhebung des Stifts Säckingen und sprach seinen gesamten Besitz dem zum Großherzog aufgestiegenen badischen Landesherrn. Damit endete die über tausendjährige Geschichte des Stifts.

Die Stadt Säckingen kam zum badischen Staat und wurde 1809 Amtsstadt des badischen Amtsbezirks Säckingen.

Hintergrund